Eppinger Heimattage 2010

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Kellerwelt hinterlässt bleibende Eindrücke

„49 Stufen“: Gelungene Ausstellung in der alten Eppinger Süßmosterei
(Text: Ricardo Pozo und der Gruppe Zeitlos, Bilder: Konrad Plank)


Eppingen. Wenn der Kukuk etwas auf die Beine stellt ist es mit Aufwand und einer besonderen Location verbunden. Auch die Ausstellung „49 Stufen“ trägt dem Rechnung. Sie besticht durch eine eigene Stimmung, hervorgerufen durch Licht und Schatten, Klänge, Installationen und Projektionen.
Die Kellerwelt der ehemaligen Süßmosterei hinterlässt an diesem Tag bleibende Eindrücke. Pünktlich um 17 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Klaus Holaschke die „Ausstellung unter Tage“. „49 Stufen“ führen anschließend eine sandsteinerne Wendeltreppe hinab in die Tiefe.

Reges Interesse an den Räumen wie an den Werken erzeugt eine Stimmung die vergessen lässt, dass man sich unter der Erde in einer Süßmosterei befindet, wäre da nicht der Bezug der ausgestellten Objekte zu dem Ort des Geschehens.
„Das ist uns wichtig“ sagt Hans Christophel vom Kukuk, „wir wollen ja nicht irgendwas machen, sondern bezugnehmend zum Ort Ideen und Projekte verwirklichen“. So zeigt ein in Rot illuminierter Raum eine Eisskulptur von innen heraus leuchtend, langsam schmelzend sich ständig verändernd als Reminiszenz an die Eiskeller. Eingebettet in eine Fotoausstellung von Eppinger Kellern und ihren Besitzern gleicht die Szenerie einer kleinen Galerie. Ei daneben gelagerter Raum zeigt ein Pendel dessen Spitze ornamentartige Bilder in leuchtenden Glassand zeichnet.

Gärprozesse in Reagenzgläsern werden an die Wand projiziert und ein Projekt namens „Saft-Ologien“ zeigt in Licht getauchte Säfte scheinbar schwebend vor einer Wand. In einem anderen langgezogenem Keller (ehemals Fasslagerraum) wiegen Äpfel über fast sakral anmutende Betonstelen.

„Stimmen aus der Vergangenheit“ lassen Zeitzeugen aus Lautsprechern erklingen, daneben tropft aus einem Apfel an der Decke Wasser in ein Becken aus dessen Boden wiederum ein Apfel an die Decke projiziert wird: erst scharf und gleich wieder verschwommen vom Aufprall des Tropfens in das Wasser.

Im tiefsten und damit feuchtestem Raum ist ein hängendes Papierlabyrinth „der Weg zum Licht“ zu bestaunen und zu begehen. Christiane Stoiber aus Rohrbach sagt begeistert: „Erstaunlich wie weit man in einem Raum gehen muss um zur Mitte zu gelangen“.

Butoh-Performances ziehen die Besucher in ihren Bann. Der aus der Seele kommende langsame in sich gehende Tanz kontrastiert mit der Verlassenheit der Kellerräume. Da der Zugang in die Keller begrenzt ist können die oben verbleibenden Gäste auf der Videoleinwand in der Eingangshalle die Performance betrachten. Die direkte Stimmung des Butoh kann die Leinwand allerdings kaum wiedergeben.

“Es war eine schöne Zeit“, sagt Franz Lepschi, ehemaliger Arbeiter in der Süßmosterei und einer der interviewten Zeitzeugen. Lange verweilte er in den gestalteten Räumen seiner einstigen langjährigen Arbeitsstätte.

Zwei Tage für jeweils sechs Stunden war die unterirdische Ausstellung zu besichtigen: dann war alles wieder vorbei. „Das ist Teil der Planung, wie der Auflagen und leider nicht zu ändern“, sagt Achim Herrmann vom Kukuk. „Unsere Veranstaltungen sind meist vergänglich und flüchtig wie ein Augenblick“. Viele Besucher erleben die Fazination dieses Augenblicks in den Kellerräumen, und manch einer kommt an beiden Tagen um in den Ausstellungsräumen zu verweilen.

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